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»Gerechter Ausgleich: Für Pflege gibt nun auch höheres Erbe

Berlin - Das 100 Jahre alte Erbrecht wird auf den ersten Blick häufig als furchtbar ungerecht angesehen. Dass ein Kind zum Beispiel jahrelang mit den Eltern partout keinen Kontakt haben will und dennoch nach dem Tod von Mutter oder Vater per Gesetz am Erbe beteiligt wird, verstehen viele nicht. Als vor Monaten Pläne für eine Erbrechts-Reform bekannt wurden, wandten sich nicht wenige Bürger an das Bundesjustizminsterium und plädierten für die Einführung eines Enterbungsgrunds wegen «groben Undanks».

An diesem Mittwoch hat das Bundeskabinett nun den Gesetzentwurf verabschiedet. Vielleicht wäre Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) dem Wunsch aus dem Volk nach ihrem persönlichen Rechtsempfinden sogar gefolgt. Nur: Sie konnte nicht. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte schon 2005 ihren gesetzgeberischen Spielraum stark eingeschränkt. Nach dem damaligen Urteil der Karlsruher Richter dürfen Eltern Kinder nur in Extremfällen völlig enterben und ihnen auch das sogenannte Pflichtteil entziehen - etwa dann, wenn der Nachwuchs ihnen nach dem Leben getrachtet hat.

Bei einem «normalen» familiären Konflikt bleibt es dagegen beim Erbe - auch zum Beispiel, wenn der Sohn dem Opa den Kontakt zum Enkelkind verwehrt. Der Erste Senat erklärte damals, dass das Pflichtteilsrecht Ausdruck einer grundsätzlich unauflösbaren Familiensolidarität sei. So gesehen konnte die Reform nur eine punktuelle Änderung des Erbrechts sein, wie auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein, Andreas Frieser, sagt. Aber auch diese kleine Reform wird einen durchaus beachtlichen Fortschritt bringen - und auf einem anderen Feld ein Stück mehr Gerechtigkeit. Denn nach dem Entwurf werden künftig alle Angehörigen, die Verwandte vor deren Tod gepflegt haben, einen Anspruch auf Ausgleich ihrer Pflegeleistung haben. Aus der Erbmasse wird, sofern dies nicht schon vorher geschehen ist, erst einmal ihre Leistung honoriert. Erst dann wird das Erbe unter den Erben nach der gesetzlichen Erbquote verteilt.

Bisher konnten diesen Ausgleichsanspruch nur Kinder und Enkelkinder geltend machen, nicht einmal die Ehefrau, die sich vielleicht aufopferungsvoll jahrelang um den bettlägerigen Mann gekümmert hat. «Mutter hat sich abgerackert und nach dem Tod kommt der Sohn aus Australien und will nur kassieren - das wird es nicht mehr geben», meint Erbrechts-Spezialist Wolfgang Schwackenberg. Die Erbrechtsreform passt dabei durchaus in die Überlegungen zur Reform der Pflegeversicherung. Auch mit ihr soll die häusliche Pflege gestärkt werden, auch durch eine Pflegezeit und mehr Pflege-geld. «Zwei Drittel der auf Pflege angewiesenen Personen werden nicht im Pflegeheim, sondern im eigenen Zuhause versorgt», steht im Gesetzentwurf des Justizministeriums. Dabei soll es nach dem Willen der Bundesregierung möglichst auch bleiben, damit es in Deutschland nicht zu einem Pflegenotstand kommt. Der Gesetzentwurf zur Erbrechtsreform hat aber auch seine Grenzen. Freunde oder Nachbarn, die einen Menschen jahrelang betreut haben, gehen weiter leer aus. Der Deutsche Notarverein kritisiert genau diesen Punkt und meint, dass für alle, «die den Erblasser während längerer Zeit gepflegt haben», ein solcher Ausgleichsanspruch ins Gesetz geschrieben werden soll. Zypries verwies am Mittwoch über ihre Sprecherin allerdings darauf, dass der Gepflegte natürlich auch per Testament seine Betreuer berücksichtigen kann. Aber auch für Erblasser, die sich mit Enterbungsgedanken tragen, gibt es im Gesetz gewisse Neuigkeiten. Danach kann nun jeder enterbt werden, der zu einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt ist und es dem Erblasser deshalb nicht zumuten ist, ihn zu bedenken. Aber auch hier hat der Notarverein Bedenken: Was ist, wenn der Erblasser von einer Tat weiß, Ermittlungen laufen, er aber stirbt, bevor das Urteil abgeschlossen ist? Antwort nach dem gegenwärtigen Gesetzentwurf: Dann hat der kriminelle Erbe Glück gehabt.


»Bundesweit einziges türkisches Pflegeheim zieht positive Bilanz

Berlin - Das bundesweit einzige türkische Pflegeheim hat anlässlich seines einjährigen Bestehens eine positive Bilanz gezogen. «Wir haben ein stetiges Wachstum und mittlerweile 34 Bewohner», sagte der Geschäftsführer des Pflegeheims in Berlin, Harald Berghoff. Durch Kurzzeitpflege habe das Heim im vergangenen Jahr insgesamt sogar knapp 60 betreute Männer und Frauen gehabt. Das Haus Türk Huzur Evi war im Dezember 2006 in Berlin-Kreuzberg eröffnet worden. Im Februar 2007 zogen dann die ersten Bewohner ein. Die Einrichtung mit 155 Betten ist ein Gemeinschaftsprojekt der türkischen Gemeinde und der Marseille-Kliniken.


»Fachseminar für Altenpflege: Ausbildungskurs "Altenpflegehilfe" startet zum 01. April 2008

Am 01.04.2008 startet im Fachseminar für Altenpflege des Kreises Aachen eine einjährige Ausbildung in der Altenpflegehilfe. Bewerbungen werden gerne noch im Sekretariat des Fachseminars entgegen genommen (Ansprechpartnerin: Frau Klinkenberg, Tel. 0241-5198-5410). Ansprechpartnerin: Frau Klinkenberg, Tel. 0241-5198-5410).


»Kassensturz: Närrisches Pflegefestival wird über 5.000 EURO an ambulante Kinderhospizgruppe "Sonnenblume" f.d. Region Aachen/Heinsberg spenden

Das 13. Närrische Pflegefestival war ein toller Erfolg. Die Veranstaltergemeinschaft präsentierte wieder ein Programm der Extraklasse. Über 450 Gäste aus den Gesundheitsberufen schunkelten und feierten für den guten Zweck. Die ambulante Kinderhospizgruppe "Sonnenblume" kann sich auf eine stolze Spendensumme von 5.111,11 EURO freuen.

Die Scheckübergabe findet zu einem späteren Zeitpunkt statt. Die Bundesgesundheitsministerin Frau Ulla Schmidt, MdB, Aachen hat hierfür ihre Teilnahme in Aussicht gestellt.


»Vereinigung von Heimleitern aus belgisch-Limburg kommt für 3 Tage in den Kreis Aachen

ine Delegation von rund 20 Heimleitungen aus belgisch-Limburg kommt in der Zeit vom 23. April bis 25. April in den Kreis Aachen, um das deutsche System der Pflegeversicherung kennenzulernen. Das Amt für soziale Angelegenheiten des Kreises Aachen, das Amt für Altenarbeit des Kreises Aachen sowie die Pflegekasse der AOK Rheinland/Hamburg - Die Gesundheitskasse sind an den Programmvorbereitungen beteiligt. Am 23. April wird es u.a. zu einem Erfahrungsaustausch mit der Heimleiterrunde aus dem Kreis Aachen kommen.


»Schmidt wirbt für Pflegestützpunkte und Mindestlohn bei Pflege

Berlin - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat angesichts heftiger Bedenken der Union eindringlich für die geplanten Pflegestützpunkte geworben. Diese Beratungsstellen sollten Pflegebedürftigen und deren Angehörigen wie ein Bürgerbüro dienen und Gänge «von Amt zu Amt» ersparen, sagte Schmidt am Mittwoch bei der Regierungsbefragung im Bundestag. Die geplanten 4000 Stützpunkte, in denen unter anderem Vertreter von Kommunen und Pflegekassen unter einem Dach arbeiten sollen, seien ein «entscheidender Fortschritt» und ein Beitrag zu mehr Humanität. Die Beratungen sollten besser, Entscheidungen über Leistungen schneller werden.Die Verfassungsmäßigkeit der Konstruktion der 4000 Pflegestützpunkte sei nochmals geprüft worden. Ein negatives Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die doppelte Zuständigkeit von Bund und kommunalen Trägern in den Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaften habe keine Auswirkung auf die Pläne. Das Gericht hatte die für Hartz IV eingeführten Arbeitsgemeinschaften im Dezember als ver-fassungswidrig eingestuft. Die Union verlangte daraufhin Änderungen auch bei der Konstruktion der Pflegestützpunkte.Schmidt versicherte, gemischte Kompetenzen der Leistungsträger oder Mischfinanzierung entstünden bei den Stützpunkten nicht. Die Neutralität der Beratung sei gewährleistet. «Hier ist man unabhängiger Berater und wird bezahlt durch die Solidargemeinschaft als Ganzes.» Die Reform soll im Juli in Kraft treten. Interministerielle Vorschläge für die bessere Bezahlung der Pflegekräfte kündigte Schmidt für spätestens Mai an. Sie zeigte sich «froh, dass wir im Bereich Pflege über Mindestlöhne reden». Angesichts großer Konkurrenz etwa durch osteuropäische Pflegekräfte mit Dumpinglöhnen sei es wichtig, dass die Betroffenen sozial abgesichert würden und dass sie von ihren Löhnen leben können.


»Zöller schlägt Kompromiss im Streit um Pflegestützpunkte vor

Berlin - Im Koalitionskonflikt um die künftige Beratung von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen hat sich Unionsfraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) zuversichtlich über eine Einigung mit der SPD gezeigt. Er schlug vor, zunächst einmal einige wenige Pflegestützpunkte auszuprobieren und erst in zwei Jahren zu entscheiden. «Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass in jedem Bundesland, das das will, ein Modell gefördert wird», sagte Zöller am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Nach zwei Jahren müsse dann geprüft werden, ob es Bedarf für Pflegestützpunkte tatsächlich gibt. «Dann wird man feststellen, dass das flächendeckend nicht notwendig ist.» Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte angekündigt, dass zunächst ein Stützpunkt je Bundesland aus Mitteln des Ministeriums gefördert wird. Die Erfahrungen sollen aus Ministeriumssicht in den Aufbau des mit der Pflegereform geplanten bundesweiten Netzes dieser Stellen einfließen. In den 4000 Pflegestützpunkten sollen dem vorliegenden Gesetzentwurf zufolge Kassen und Kommunen Pflegebedürftige und Angehörige informieren, aber auch über Leistungen entscheiden. Die Unions-fraktion lehnt das Konzept ab. Derzeit berät der Gesundheitsausschuss des Bundestags über die Reform. Zöller sagte: «Das Bewährte wird sich durchsetzen.» Die bestehenden, kostengünstigeren Beratungs-stellen sollten in den Regionen unterstützt und vernetzt werden. Er wandte sich gegen das Argument, dass die Pflegekassen mit Stützpunkten unabhängiger als heute über Heimplätze und andere Ange-bote beraten können. «Bereits heute müssen die Kassen über die Leistungen anderer Leistungsträger beraten», erläuterte der CSU-Gesundheitsexperte. Als beispielhaft nannte Zöller Verträge einzelner Kassen etwa mit dem Verband der Verbraucherzentralen für bessere Pflegeberatung.«Wir brauchen eine Anlaufstelle für Betroffene, aber keine neue Institution.» Die Verwaltung einer neuen bundeseinheitlichen Institution verschlinge dreistellige Millionensummen, die besser in der Pflege selbst eingesetzt werden sollten, warnte Zöller. Zudem müsse die Beratung bei den Betroffenen zuhause gefördert werden.


»SoVD fordert mehr Rechte für Pflegebedürftige

Berlin (ots) - Anlässlich der Anhörung zur Pflegereform erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer:

Der Gesetzentwurf der Pflegereform enthält positive Ansätze, es gibt allerdings in einer Reihe von Punkten erheblichen Nachbesserungsbedarf. Der SoVD hält jährliche Kontrollen von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten für unverzichtbar. Kontrollen im Drei-Jahres-Rhythmus, wie sie die Pflegereform vorsieht, sind viel zu wenig. Außerdem müssen Kontrollen grundsätzlich unangemeldet erfolgen. Es ist überfällig, dass die Qualitätsberichte über Pflegeheime und mbulante Pflegedienste in verständlicher Form veröffentlicht werden. Dr SoVD kritisiert, dass den Pflegeanbietern ein Mitentscheidungsrecht über die Art der Veröffentlichung der Prüfberichte eingeräumt werden soll. Wir fordern Transparenz ohne wenn und aber.

Die Pflegebedürftigen müssen ein Mitentscheidungsrecht bei der Festlegung der Qualitätsmaßstäbe der Pflege erhalten. Sie müssen gleichberechtigt mitentscheiden können, wenn die Qualitätsmaßstäbe von Pflegekassen, Anbietern und Kommunen festgelegt werden. Die Beratung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen muss dringend verbessert werden. Die Pflegestützpunkte sind hierfür der richtige Ansatz. Der SoVD fordert aber die Unabhängigkeit der Pflegestützpunkte und der Pflegeberater. Ihre Beratung darf nicht von de Interessen eines Kosten-rägers oder Leistungserbringers beeinflusst werden. Mit dem Gutschein-Modell wird der dringend nötige Afbau von Beratungsstellen nicht erreicht.

Mit der Einführung der Pflegezeit erhalten berufstätige Pflegebedürftige erstmals einen Rechtsanspruch auf eine befristete Freistellung von der Arbeit. Damit wird eine Regelung umgesetzt, für die sich der SoVD mit detaillierten Vorschlägen eingesetzt hat. Es ist allerdings ein Manko, dass die Pflegezeit nur für Firmen mit mehr as fünfzehn Beschäftigten gelten soll. Damit bleiben sechs Millionen Abeitnehmerinnen und Arbeitnehmer außen vor. Es gibt keinerlei Grund für eine solch weitreichende Ausnahmeregelung. Auch bei der Elternzeit gibt es keine Einschränkung nach Betriebsgröße. Der SoVD fordert, dass die Pflegezeit uneingeschränkt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten muss.

V.i.S.d.P.: Dorothee Winden
Originaltext: SoVD Sozialverband Deutschland


»Pflegekritiker zum Botschafter der Heim-Mitwirkung ernannt

"Alle können etwas tun, um die Situation in Heimen zu verbessern"

Beim 60. Münchener Pflege-Stammtisch wurde Anfang Januar der bekannte Pflegekritiker Claus Fussek für seinen herausragenden persönlichen Einsatz für behinderte und pflegebedürftige Menschen von Bremer "Ehrenamtlichen in der Heim-Mitwirkung" geehrt. Sie ernannten ihn auf der sehr gut besuchten Veranstaltung im Münchener Löwenbräukeller zum ganz besonderen "Botschafter der Heim-Mitwirkung".

Den Jubiläums-Pflegestammtisch hatte Fusseks Team ganz dem Thema Angehörige von Heimbe-wohnern gewidmet: "Angehörigenbeirat - ein selbstverständlicher Beitrag zur Qualitätssicherung im Pflegeheim". Hierzu hatten sie drei Referenten eingeladen: Brigitte Bührlen, die seit Jahren engagierte Mitkämpferin des Pflegestammtisches ist. Reinhard Leopold aus Bremen, als einer der vielen engagierten Bürger, die sich ehrenamtlich um die Interessenvertretung von Heimbewohnern kümmern. Gerd Peter, der als Geschäftsführer des größten Münchener Heimbetreibers "Münchenstift" einen geradezu revolutio-nären Transparensansatz seines Unternehmens vertritt.

"Die beste Heimaufsicht ist die Öffentlichkeit, sind engagierte, motivierte und kritische Angehörige", so war es in der Einladungsschrift zum Pflegestammtisch zu lesen. Reinhard Leopold, der mit drei "Heim-MitWirker" zu der Jubiläumsveranstaltung aus Bremen angereist war, bestätigte die Wichtigkeit von öffentlichem Interesse und bürgerlichem Engagement in diesem Bereich. Er forderte: "Wir müssen aufhören zu jammern! Alle sind gefordert, die vorhandenen Schätze zu heben." Jeder könne seinen Teil dazu beitragen. Er und seine Mitstreiter engagieren sich beispielsweise seit 2002 als Unterstützer von Heimbewohner-Beiräten sowie als Heimbewohner-Fürsprecher und in anderen Projekten. Er betonte, daß Alle etwas tun können, um die Situation in Heimen zu verbessern - und sei es nur durch regelmäßige Besuche von Heimbewohnern. "Je weniger soziale Kontrollen stattfinden, desto schwerer sind Pflege-mängel", zitierte er aus einer Studie. Eine von einer ganzen Reihe struktureller Ursachen von Pflege-mängeln, zitierte er weiter, sei unter anderem auch die mangelnde soziale Integration und Kontrolle durch Familie, Öffentlichkeit, Pflegeeinrichtungen und staatlichen Institutionen.

Pflegemängel stehen meist auch im Zusammenhang mit Personalmangel und Arbeitsüberlastung, bezog er sich auf Erkenntnisse wissenschaftlicher Untersuchungen. Diese lägen zwar vor, blieben aber bisher ohne entscheidende Konsequenzen. "Angehörige und andere Interessenvertreter von Heimbewohnern sollten auf die Pflegekräfte zugehen, sie bei vermuteten Überlastungen ansprechen und sie gegebenen-falls gegenüber ihren Arbeitgebern unterstützen", so seine Forderung. "Geht es den Pflegekräften schlecht, kann es den Pflegebedürftigen nicht gut gehen!" In diesem Zusammenhang ging er auch auf den zunehmenden Einsatz von Leiharbeitskräften, Auszubildenden, Praktikanten sowie von Angehörigen und Ehrenamtlichen ein. Es müsse endlich ein rücksichtsloser Mißbrauch von Hilfskräften, der zum Abbau von regulären versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen führt, unterbunden werden. Dabei sei auch der Gesetzgeber gefordert die Dinge so anzugehen, daß nachgewiesener Mißbrauch konsequent geahndet wird. Mitarbeiter, die derlei Fakten zur Anzeige bringen, müßten arbeitsrechtlich besser geschützt werden.

Das permanente Beklagen der vorhandenen Mängel in den Heimen ändere nichts an der beklagens-werten Situation. Jeder unserer Gesellschaft ist vielleicht selbst einmal als Pflegebedürftiger betroffen. Jeder kann heute schon etwas dafür tun, daß es ihm später einmal besser geht. Er schloß sein Referat mit dem Satz von Jean Molière: "Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun".

Ansprechpartner für diese Presse-Info:

Reinhard Leopold c/o
Ehrenamtliche in der Heim-Mitwirkung
- Internet & Öffentlichkeitsarbeit -
Rembertistr. 9, 28203 Bremen
Telefon 0421 / 33 65 91-20
eMail: presse@heim-mitwirkung.de
http://www.heim-mitwirkung.de


»Minister Karl-Josef Laumann: "Berichte von Altenheimen müssen für jeden Bürger verständlich sein"

Neues Projekt: "Kundenorientierte Qualitätsberichte" / Düsseldorf, 15.01.2008

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales teilt mit: "Die Menschen erfahren über die Qualität der Arbeit in den Pflegeheimen meist nur dann etwas, wenn es Anlass zur Kritik gibt. Mit Hilfe des neuen Heimrechtes werde ich deshalb dafür sorgen, dass es regelmäßige und unangemeldete Prüfungen und eine Pflicht zur Veröffentlichung der Prüfberichte gibt. Diese Berichte müssen aber für jeden verständlich sein", betonte heute (15. Januar 2008) der nordrheinwestfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann in Mönchengladbach. Hier besuchte der Minister das Städtische Alteinheim Windberg, wo das Projekt "Kundenorientierte Qualitätsberichte" der Sozialholding der Stadt vorgestellt wurde.

"Ich bin froh, dass man hier in Mönchengladbach zusammen mit neun anderen Heimen aus unterschiedlichen Regionen unseres Landes allgemeinverständliche Qualitätsberichte entwickeln will. Dann können die Menschen, die einen Heimplatz suchen, sich über die Qualität des jeweiligen Angebots informieren und sich auch bewusster als dies heute möglich ist für oder gegen ein Heim entscheiden", betonte Laumann. Das Sozialministerium fördert das Projekt, das vom 1. November 2007 bis 31. Oktober 2008 läuft, mit rund 97.000 Euro.

Die Prüfberichte der Aufsichtsbehörden, d. h. insbesondere der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung und der Heimaufsicht, machen die Qualität eines Pflegeheimes unter anderem daran fest, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ausreichender Zahl und ausreichender Qualifikation vorhanden sind oder ob die baurechtlichen Vorgaben für die Heime, in denen pflegebedürftige Menschen leben, eingehalten werden.

"Mit Qualität in der Pflege verbinde ich gedanklich in erster Linie die Lebensqualität der dort lebenden Menschen. Deshalb müssen Prüfberichte auch Antworten auf die Fragen enthalten, die für die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen von ebenso großer Bedeutung sind. Das sind häufig ganz praktische Fragen, z.B. ob man zumindest einen Teil der Möbel beim Heimeinzug mitbringen kann oder ob der örtliche Seelsorger regelmäßig ins Haus kommt", erklärte Laumann. "Ich erwarte mir von diesem Projekt auch Impulse für die Entwicklung der Prüfkriterien, die für die Berichterstattung nach dem neuen Landesheimrecht gelten sollen."

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie bei der Sozialholding GmbH der Stadt Mönchengladbach, Tel: Tel. 02166 - 455-0, www.sozialholding.de

Die Eckpunkte für ein Landesheimgesetz NRW stehen im Internet unter www.mags.nrw.de zum Download bereit!


»Pflegende: Höhere körperliche Belastung als auf dem Bau

Pflegende sind höheren körperlichen Belastungen unterworfen als Beschäftigte im Baugewerbe. Das hat eine Befragung ergeben, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) unter 20.000 Erwerbstätigen durchgeführt haben. Die Befragung hat ergeben, dass langes Stehen, schweres Heben und Zwangshaltung typische Belastungen für die Pflegeberufe sind. Fast jeder in der Pflege Beschäftigte (93,8 Prozent) verrichte seine Arbeit häufig oder immer im Stehen. Auch das Heben schwerer Lasten gehöre für zwei von drei Pflegenden (68,2 Prozent) zum Berufsalltag. Hinsichtlich dieser Belastung übertreffen die Beschäftigten in den Pflegeberufen sogar ihre Kollegen im Baugewerbe: Hier muss nach den Erkenntnissen der Umfrage nur etwa jeder zweite Beschäftigte (54,0 Prozent) nach eigenen Angaben häufig schwer heben. Unter derartiger Last leiden drei von vier Betroffenen in Pflegeberufen (74,4 Prozent). Das sind deutlich mehr als auf dem Bau: Dort empfindet nicht einmal jeder Zweite (42,8 Prozent) das schwere Heben als belastend. (Quelle: Altenpflege 01/2008, Nachrichten)


»Demenz wird früher erkennbar - Bluttest zeigt die Erkrankung bereits an, wenn klare Symptome noch fehlen

Baierbrunn (ots) - Ein Bluttest könnte künftig älteren Menschen mit leichten Gedächtnisschwächen Gewissheit verschaffen, ob es sich hierbei um erste Anzeichen der Alzheimer-Krankheit handelt, berichtet die "Apotheken Umschau". Der Test, den Forscher aus Stanford (USA) entwickelten, kann die Erkrankung zwei bis sechs Jahre vor dem Auftreten eindeutiger Symptome feststellen. Zwar ist Alzheimer derzeit nicht heilbar. Durch den - bisher noch nicht zugelassenen - Test würden Betroffene aber die Möglichkeit erhalten, ihr weiteres Leben vorauszuplanen.

Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 1/2008 A liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.


»Pflegeheim- und Klinik-Bauweise zu kompliziert für Demenzkranke

Dresden - Die Bauweise moderner Krankenhäuser und Pflegeheime erschwert demenzkranken Patienten die Orientierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Technischen Universität Dresden. Architekten seien jahrelang von falschen Voraussetzungen ausgegangen, als sie möglichst stark gegliederte Gebäude mit markanten Räumen und Innenhöfen entwarfen, teilten die Dresdner Forscher am Montag mit. Demenzkranke würden durch diese Bauweise unnötig verwirrt. Für die Studie haben die Forscher am Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitsbauten der TU Dresden Daten zu 450 Demenz-Patienten erhoben. In 30 Heimen sollte das Personal auf einer dreistufigen Skala angegeben, wie gut sich die Bewohner dort zurechtfinden. Anschließend wurde die Orientierungsfähigkeit der Senioren mit der Architektur des Gebäudes verglichen. Das Ergebnis: Am besten finden Demenzkranke ihren Weg in Gebäuden mit langen Fluren, in denen sie nur selten die Richtung wechseln müssen. Bei Alzheimerpatienten seien Gehirnregionen beeinträchtigt, durch die sich gesunde Menschen etwa beim Anblick einer Tür an den dahinterliegenden Raum erinnern, schreiben die Forscher. Für Alten- und Pflegeheime seien diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, betonte Wissen-schaftlerin Gesine Marquardt. Da jeder fünfte Deutsche zwischen 75 und 85 Jahren an Demenz leide, müssten Pflegeheime und Krankenhäuser sich stärker auf deren Bedürfnisse einstellen.


»Servicestelle Hospizarbeit: 1. Arbeitskreistreffen Aachener Netzwerk

Zum ersten Mal lädt die Servicestelle Hospizarbeit die Akteure und verantwortlichen Akteure der Region Aachen am 29.01.2008 ins Bildungswerk Aachen ein, um ein Modell der hospizlichen und palliativen Versorgung zu entwickeln.

Im Rahmen der neuen Gesundheitsreform sind alle Beteiligten Kassen wie Leistungsanbieter aufgefordert eine flächendeckende palliative hospizliche Versorgung zu gewährleisten, damit Menschen wüdig und ohne versorgungslücken die letzte Phase ihres Lebens gestalten können. Dafür braucht es eine Vielfalt an Kompetenz, Erfahrung und Engagement derer, die bisher in Aachen die palliative und hospizliche Versorgung vorangetrieben und getragen haben. Das sind sowhl die stationären Einrichtungen weie die ambulanten Dienste, geprägt von Ehrenamtlichen wie Hauptamtlichen aus den medizinischen, pflegerischen, psychoszialen und wie den spirituellen Bereichen. Der Arbeitskreis soll ein Modell entwickeln, das klarere Strukturen entwickelt um eine reibungslose und vernetzte Zusammenarbeit des Netzwerkes in der Versorgung von Schwerstkranken zu schaffen.


»Streit um Pflegereform: SPD hält trotz Kritik an ihrem Konzept fest / CDU will Gutscheinmodell einführen

Der Streit um die Pflegereform geht in die nächste Runde: Die Union lehnt die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zur Einrichtung von bundesweit etwa 4 000 Pflegestützpunkten ab. Das Konzept sei weder organisatorisch noch finanziell ausgegoren, heißt es in einem Gegenkonzept der Gesundheitspolitikerin Annette Widmann-Mauz und des Pflegeexperten Willy Zylajew (beide CDU). Vielerorts gebe es bereits ein gutes und flächendeckendes Netz von Anlaufstellen für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Diese seien durch Länder und Kommunen finanziert und werden vielfach durch ehrenamtliches Engagement bereichert. "Genau dies wäre durch den Aufbau von Pflegestützpunkten gefährdet", so Zylajew. Zudem sichere der Gesetzentwurf eine Anschubfinanzierung für lediglich 1 600 Stützpunkte. Vorgesehen seien aber 4 000. Besser seien nach Ansicht des Pflegeexperten daher Gutscheine oder Beratungsschecks, mit denen die Versicherten und ihre Angehörigen die freie Wahl unter den akkreditierten Anbietern haben. Das durch die Einführung von Beratungsschecks eingesparte Geld sollte für eine Verbesserung der stationären Versorgung Demenzkranker eingesetzt werden. Trotz dieser Kritik bekräftigte die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann, ihre Fraktion halte an den Stützpunkten als "Herzstück" der Pflegereform fest. Sie wies den Vorwurf zurück, damit würden Doppelstrukturen geschaffen. Vereinbart sei, vorhandene Strukturen so weit wie möglich zu erhalten und zu nutzen. Das Modell der Beratungschecks, wie es die CDU/CSU favorisiert, lasse die Betroffenen hingegen mit einem Stück Papier zurück und beantworte keine Fragen. Unterstützung erhält die SPD von ihrem ehemaligen Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen.
(Quelle: CAREkonkret Nr. 49 vom 7.12.2007, Rubrik: Nachrichten)


»Modelle stehen für den Pflegestützpunkt

Bei den in der Pflegereform vorgesehenen Pflegestützpunkten drückt das Bundesgesund-heitsministerium (BMG) jetzt aufs Tempo: Vor zwei Wochen erhielt das Kuratorium für Deutsche Altershilfe (KDA) in Köln von dem Ministerium den Auftrag, pro Bundesland einen Modell-Pflegestützpunkt auszuwählen. Hintergrund für den Schnellschuss des BMG dürfte die ablehnende Haltung aus Teilen der Union sein.

In einer "Vorlaufphase" sollen in den ausgewählten Standorten bis zum 30.Juni 2008 Erfahrungen gesammelt werden, damit man, so KDA-Geschäftsführer Klaus Großjohann heute auf Anfrage von FORUM SOZIALSTATION "zum 1. Juli 2008 das Rad nicht neu erfinden müsse". Dabei soll vor allem Wert darauf gelegt werden, dass sowohl Kassen als auch Kommunen mit im Boot sind. Dem Vernehmen nach stehen sechs der Modellstandorte bereits fest, darunter Dortmund, Bremen und Flensburg. Pro Modellstützpunkt sollen nach Recherchen von FORUM SOZIALSTATION rund 30.000 EUR fließen.

Das KDA habe sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung intensiv mit quartiersbezogenen Konzepten beschäftigt, wie sie auch in der Pflegereform vorgesehen seien, so Großjohann. "Die Idee der Pflegestützpunkte liegt ganz auf unserer Linie." Das Modellvorhaben soll Ende Januar auf einer Fachveranstaltung in Berlin erörtert werden.

Auf das KDA kommt mit diesem Projekt in den nächsten Monaten viel Arbeit zu - und das in einer Phase des Umbruchs: Ende März wird der langjährige Geschäftsführer Klaus Großjohann altersbedingt aus dem Amt scheiden. Eine Nachfolge wird derzeit gesucht.


»Altenpflege + ProPflege 2008 Fachmesse mit Kongress

© Deutsche Messe AG | Beginn: 12.2.2008 | Ende: 14.2.2008 | in: Hannover

Mitte Februar 2008 gilt Hannover wieder als der europäische Treffpunkt der Pflegebranche. Die Altenpflege+ProPflege 2008, die zum 19. Mal stattfindet, erreicht neue Dimensionen. Die Fachmesse mit Kongress für Pflege, Therapie, Betreuung und Professionelle Patientenversorgung erwartet über 700 internationale Aussteller, die sich mehr als 50 000 m2 Ausstellungsfläche teilen. Vorgestellt werden innovative Produkte und Dienstleistungen aus allen Pflegebereichen.

Die Messe, die jährlich zwischen Hannover und Nürnberg wechselt, ist der Branchentreff für Planer, Entscheider und Praktiker, die Pflege-, Reha-, Patienten-versorgungs- und Wohnkonzepte in Pflegeeinrichtungen entwickeln. Ein hochkarätiger Fachkongress sowie Expertenforen, Sonderthemen und weitere Specials bereichern die Ausstellung. Zudem wird das Messeprogramm um eine auf vier Hallen erweitert.

Der Fachkongress bietet 75 Einzelveranstaltungen mit 100 Referentinnen und Referenten über neue Entwicklungen und Trends in der Pflege an. Das Programm umfasst 50 Seminare, 15 Workshops und zehn KompaktSessions.

Die Sonderschau "lebensräume 2008" zeigt die Pflege der Zukunft. Unter dem Motto "leben.wohnen.arbeiten" werden im Rahmen der Fachmesse die aktuellen Trends der stationären und ambulanten Pflege vorgestellt.

Alle Informationen für Besucher und Aussteller finden Sie unter www.altenpflege-propflege.de


»Patientenzufriedenheit bundesweit durchwachsen

Deutschen Krankenhäusern gelingt es nur zum Teil, ihre Patienten zufriedenstellend zu behandeln. So erhält das "beste" Krankenhaus bei der Gesamtbeurteilung von 81 Prozent der Patienten Bestnoten, das schlechteste hingegen nur von 29 Prozent. Das zeigen die Ergebnisse des Patienten-Barometers 2006, einer Studie der psychonomics AG in Kooperation mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Unterschiede in der Patientenzufriedenheit zeigten sich dabei auch bei Krankenhäusern unterschiedlicher Größe und Trägerschaft.

1860 Patienten in 33 Krankenhäusern wurden zur Zufriedenheit mit ihrer Behandlung befragt. Den stärksten Einfluss auf die Patientenzufriedenheit und Patientenbindung zeigten dabei die Leistungsfelder "Ko-Therapie" (die Einbeziehung der Patienten in die Behandlung), die "ärztliche Behandlung" und das "Pflegepersonal".

Für das klinikinterne Qualitätsmanagement empfehlen die Autorinnen, Nina Denk und Anja Schweitzer von der HealthCare Forschung der psychonomics AG, die Patienten so weit wie möglich in die Behandlung einzubeziehen und diesen das Gefühl zu geben, dass sie mit Ärzten und Pflegepersonal ihre Wünsche und Bedürfnisse besprechen können.

Die Autorinnen betonen die Wichtigkeit eines professionellen und sozial kompetenten Verhaltens des Personals für die Zufriedenheit der Patienten. Insbesondere verweisen sie dabei auf den Zusammenhang zwischen Mitarbeiter- und Patientenzufriedenheit und die Notwendigkeit einer guten Unternehmenskultur sowie guter Arbeitsbedingungen.

Eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit 37.000 Befragten zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur, Mitarbeiterengagement und Unternehmenserfolg. Die Studie "Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement in den Unternehmen in Deutschland" wird Ende des Jahres veröffentlicht.

Wie sich die Qualität der Arbeitsbedingungen in Altenpflegeeinrichtungen auf die Versorgungsqualität und die Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen auswirkt wird in einem aktuellen Projekt von INQA, der Johanniter GmbH und der Bergischen Universität Wuppertal, in der 3Q-Studie, untersucht.

Weitere Informationen zur Patientenbefragung erhalten Sie bei:
Anja Schweitzer
Head of HealthCare Research psychonomics AG
Tel.: 030/308 7447 - 10


»Sozialminister Karl-Josef Laumann: "Das Gutachten schafft Kostentransparenz."

Pflege in Nordrhein-Westfalen 460 Mio. Euro pro Jahr teurer als in Vergleichsländern. Düsseldorf, 14.12.2007

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit: "Nordrhein-westfälische Pflege in Heimen ist bis zu 460 Mio. Euro pro Jahr teurer als in vergleichbaren Bundesländern", sagte heute der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales Karl-Josef Laumann in Düsseldorf. Auffallend, so Laumann weiter, sei, "dass diese höheren Kosten gleich hinter der Grenze zu Niedersachsen und Rheinland-Pfalz halt machen. Es scheint also hierfür auch nordrhein-westfälische Ursachen zu geben." Um diese Mehrkosten zu klären, habe er ein Gutachten in Auftrag gegeben, um Kostentransparenz zu schaffen.

Dabei stellte Laumann klar: "Ich will keine Billigpflege, sondern hohe Qualität. Aber die Bewohner und ihre Angehörigen haben ein Recht darauf, zu wissen, worin die Ursachen für diese Mehrkosten liegen."

Die Gutachter sind zum Ergebnis gekommen, dass bis zu 280 Mio. Euro dieser Mehrkosten durch mehr Personal, eine höhere Tarifgebundenheit und eine ältere Mitarbeitstruktur verursacht werden. "Diese Mehrkosten werde ich gerade auch als Arbeitsminister vehement verteidigen. Die Pflegekräfte in Nordrhein-Westfalen werden und müssen weiter anständig bezahlt werden. An der Tarifgebundenheit wird nicht gerüttelt", so Laumann.

Weiter haben die Gutachter festgestellt, dass die Investitionskosten der Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen rund 9 % (1,10 Euro pro Tag) höher sind als in den Vergleichsländern. "An diesen jährlichen Mehrkosten von 60 Mio. Euro wird das Land sofort arbeiten. Wir werden kurzfristig die Verordnung über die Abschreibungszeiträume von Pflegeheimen ändern und im Frühjahr 2008 in Kraft setzen. Danach können Pflegeheime erst nach 50 Jahren, anstatt heute nach 25 Jahren abgeschrieben werden", so Laumann. Diese Maßnahme wirke allerdings erst in Zukunft, denn auf bereits bestehende Pflegeheime habe sie keinen Einfluss.

Ferner haben die Gutachter festgestellt, dass die Gestaltung der Pflegesatzverhandlungen in Nordrhein-Westfalen stärker als in anderen Ländern am Selbstkostendeckungsprinzip orientiert ist. In Niedersachsen werden beispielsweise Pflegesatzverhandlungen anhand von Vergleichsheimen geführt. "Nach Gesprächen mit den beiden Landschaftsverbänden, dem Landkreistag, dem Städte- und Gemeindebund und der freien Wohlfahrtspflege bin ich sicher, dass sich künftig eine andere Pflegesatzverhandlungskultur entwickeln wird", sagte Laumann.

Die Ergebnisse des Gutachtens:
Die Pflegheime in Nordrhein-Westfalen sind 10 % (7,50 Euro pro Tag) teurer? als im Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zu Niedersachsen sind es sogar 21 % Preisunterschied. Daraus ergeben sich Mehrkosten für die Bewohner, Sozialhilfeträger etc. in Höhe von 400 Mio. Euro pro Jahr.

Bei den Investitionskosten sind Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen rund 9 %? (1,10 Euro pro Tag) teurer. Das sind jährliche Mehrkosten von 60 Mio. €.

Insgesamt liegen die Mehrkosten bei jährlich 460 Mio. Euro, die Bewohner, Angehörige und Sozialhilfeträger zu tragen haben.

Personalkosten verursachen zwischen 40 und 70 % dieser Differenz.

Ursachen hierfür sind:
Eine höhere Tarifgebundenheit
Eine ältere Personalstruktur
Rund 3 % mehr Personal in nordrhein-westfälischen Pflegeheimen.

Als Ursachen für die Mehrkosten können nicht herangezogen werden:
Eine höhere Fachkraftquote
Eine besonders hohe Ausbildungsleistung der Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen
Zinsen und Abschreibungen verursachen zwischen 10 und 30 % der Mehrkosten.

Ursachen hierfür sind:
Die Höhe der förderfähigen Aufwendungen in Nordrhein-Westfalen war in den Vergangenheit mit 181.500 DM höher als in den Vergleichsländern. Deshalb und aufgrund einer stärkeren Verstädterung waren die Investitionskosten hier höher.

Bis zu 50 % der Preisdifferenz können nicht eindeutig zugeordnet werden. Diese Differenz ist nicht durch die Bewohnerstruktur erklärbar, denn der Anteil der Bewohner in Nordrhein-Westfalen in Pflegestufe III ist unterdurchschnittlich, so dass die Pflegekosten eigentlich 5 bis 10 % günstiger sein müssten.

Die Gestaltung der Pflegesatzverhandlung spielt eine Rolle. In Nordrhein-Westfalen herrscht nach wie vor eine stärkere Orientierung am Selbstkostendeckungsprinzip vor. In Niedersachsen werden Pflegesatzverhandlungen anhand von Vergleichsheimen geführt.


»Ulla Schmidt fordert raschen Ausbau ambulanter Hospizarbeit

Aachen - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat an die Krankenkassen appelliert, rasch Verträge zur ambulanten Hospizarbeit abzuschließen. Die gesetzlichen Grundlagen für die Verbesserung der Hospizarbeit seien geschaffen, betonte die Ministerin am Freitagabend in Aachen. Nun gehe es um die Bereitschaft der Kassen, entsprechende Verträge auszuhandeln. Durch die Gesundheitsreform hat jeder Patient ab 2008 einen Rechtsanspruch auf ambulante palliativmedizinische Versorgung.

Mit der Einrichtung von Palliativ-Care-Teams wird seit Anfang des Jahres die ambulante Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase neu organisiert. In diesen Teams arbeiten Ärzte, Pflegedienste, ambulante Hospizdienste und Therapeuten zusammen. Bisher gibt es nur in einzelnen Regionen gut ausgebaute Netzwerke.

Ab 2008 sind die Krankenkassen verpflichtet, die bisher modellhaft existierenden Palliativ-Care-Teams bundesweit aufzubauen und zu finanzieren. Für "Leuchtturmprojekte", die beispielhaft für andere Regionen wirken können, stehen nach Schmidts Worten in den nächsten zwei Jahren 14 Millionen Euro bereit. © kna/aerzteblatt.de .


»Grundkurse für Pflegekräfte und Physiotherapeuten

Die Medizinisch-Geriatrische Rehaklinik Haus Cadenbach bietet Grundkurse über die "Befundaufnahme und Behandlung von erwachsenen Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen" nach dem Bobath-Konzept an.

Das Bobath-Konzept wird international in der Rehabilitation von Patienten mit Störung des zentralen Nervensystems eingesetzt.

Die Teilnehmenden lernen in Theorie und Praxis die Befundaufnahme und Behandlung erwachsener Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen. Während des praktischen Teils des Kurses üben die Teilnehmenden untereinander und behandeln Patienten unter Anleitung.

Der Kurs ist von der BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege e.V.) und der IBITA (International Bobath Instructors Training Association) anerkannt.

Methode:
Arbeit in Theorie und Praxis (mit Patientenbehandlungen)

Teilnehmende:
Voraussetzung für die Teilnahme ist eine abgeschlossene Ausbildung zur PhysiotherapeutIn oder ErgotherapeutIn sowie praktische Tätigkeit und Erfahrung in der Therapie von erwachsenen Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen. Die Zulassung zum Kurs ist ein Jahr nach der Anerkennung möglich. Die Teilnehmenden müssen gesundheitlich in der Lage sein, die praktischen und theoretischen Anforderungen des Lehrplans, einschließlich Heben und Tragen, zu erfüllen. Einschränkungen des Leistungsvermögens und Fehlzeiten können dazu führen, dass das Kursziel nicht erreicht wird.

Kursdauer: 84 Unterrichtseinheiten

Kosten: Euro 950,- inkl. Mittagessen und Pausengetränke

Teilnehmerzahl: max. 12

Termine:
Kursteil 1: 14.01.2008 - 18.01.2008
Kursteil 2: 21.04.2008 - 25.04.2008

Leitung:
Marianne Brune, Bobath-Instruktorin IBITA, leitende Physiotherapeutin im Albertinen-Haus, Hamburg

Anmeldung: telefonisch unter:
0241/414-2572 (Fr. Heugen)
0241/414-2607 (Herr Kunzmann


»2.Forum "fit fuer 100" am 12.01.2007 im Kreishaus mit Ulla Schmidt

Am 12.01.2008 findet im Mediensaal der Kreisverwaltung Aachen unser 2. Forum "fit fuer 100" statt. Dieser Termin ist in Kooperation mit der Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz Aachen entstanden. Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass an diesem Termin auch Frau Ulla Schmidt, MdB, Bundesministerin fürr Gesundheit mitwirken wird. Bei Interesse und fürr Anmeldungen besuchen Sie bitte unsere Homepage, dort finden Sie unter der Rubrik "Aktuelles" weitere Informationen sowie unseren Flyer, der die Anmeldung enthält.

Anmeldungen erbeten an:

Kreis Aachen
Geschäftsstelle Gesundheitskonferenz
Herrn Thilo Koch
Steinstr. 87
52249 Eschweiler
Tel. 02403 / 860-206
Fax 02403 / 860-111
E-Mail: gesundheitskonferenz@kreis-aachen.de


»Würdevoller Tod zu Hause soll möglich sein

Eschweiler Nachrichten, 14.12.2007 im PDF Format.


»13. Närrisches Pflegefestival/ Feiern und damit Familien mit kranken Kindern helfen

Diese Artikel sind aus der Tageszeitung im PDF Format.


»Sterne-System für gute Pflege

Pflegenetz Heilbronn baut neues Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen auf

Ab September 2008 sollen "Sterne für gute Pflege" in Deutschland vergeben werden. Die Idee entstand in Diskussionen zwischen Altenpflege-Schulen und verschiedenen Einrichtungsträgern, die sich im Pflegenetz Heilbronn e.V. zusammengeschlossen haben. Die Tatsache, dass die Wahl der richtigen Einrichtung für Angehörige und Pflegebedürftige große Probleme bereitet, führte zu den "Sternen für gute Pflege". "Denn ein zuverlässiges Bewertungssystem, vergleichbar mit den Kategorien der Hoteleinstufung, bietet sich zur leichteren Orientierung für die Interessenten an", sagt Dr. Claus Offerman von ZertSozial, der das Projekt im Pflegenetz Heilbronn begleitet. "Ein wie immer geartetes Siegel ist den Verbrauchern weitgehend unbekannt. Mit den Sternen kann jeder etwas anfangen. Wir wollen Verbraucherschutz durch verständliche Transparenz." Diese Transparenz soll im Sternesystem durch eine bewertete Zusammenfassung der bereits vorhandenen Prüfergebnisse durch den MDK, die Heimaufsicht oder vorhandene Zertifizierungen und weitere Prüfungen erreicht werden. Ende 2008 soll das neue System marktreif sein und die Möglichkeit für Pflegedienste, teilstationäre und stationäre Einrichtungen bieten, sich mit einem, drei oder fünf Sternen auszeichnen zu lassen. "Dabei ist entscheidend, dass auch die Einrichtungen, die mit einem Stern bewertet werden, eine Pflegequalität bieten, die über den Standard bereits hinausgeht", sagt Offermann. Die Bewertung soll etwa 2 500 Euro kosten. Derzeit werden in Heilbronn die einzelnen Kriterien für eine Bewertung unter Beteiligung der Praktiker aus dem Pflegenetz erarbeitet. Information: Pflegenetz Heilbronn e.V., Andreas Haupt, Tel.: (0 71 36) 9 55 70. (Quelle: CAREkonkret Nr. 44, Auszug aus dem Titelthema, erschienen am 2.11.2007.)


»Neuer Expertenstandard "Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

Am 10.10.07 wurde im Rahmen einer Konsensuskonferenz in Osnabrück der 6. Expertenstandard des Deutschen Netzwerkes für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) vorgestellt und mit allen Beteiligten des Gesundheitswesens diskutiert.
Mehr als 680 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung. Das DNQP an der Fachhochschule Osnabrück in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) wird gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit.
Schwerpunkte der vorgelegten Arbeitstexte sind:

  • Gesundheitspolitische Relevanz chronischer Wunden
  • Expertenstandardentwurf zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  • Vorläufige Literaturstudie zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
  • Leben mit einer chronischen Wunde aus Patientenperspektive
  • Assessment bei Menschen mit chronischen Wunden

Intervention bei der Pflege von Menschen mit chronischen Wunden Weitere Informationen » HIER


»64. Aachener Hospizgespräche beleuchten Folgen der Gesundheits- und Pflegereform

Aachen (ots) - Palliativversorgung, vor wenigen Jahren noch ein Wort für Fachleute, ist durch die Gesetzgebung der jüngsten Gesundheitsreform zu einem fast schon populären Begriff geworden: Für jeden Bürger gibt es inzwischen einen Anspruch auf koordinierte medizinische, pflegerische und psychosoziale Betreuung, wenn er seine letzten Lebensmonate zu Hause verbringen möchte. Wie aber wird dieser Rechtsanspruch in der Praxis tatsächlich umgesetzt? Wo sind Schwierigkeiten, wo liegen die Chancen? Im Bildungszentrum der Grünenthal GmbH in Stollberg sind die 64. Aachener Hospizgespräche am Samstag diesen Fragen mit verantwortlichen Akteuren und weit über 400 Teilnehmern nachgegangen.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries befasste sich in ihrer Rede mit der Sicherung der Selbstbe-stimmung von Patienten am Lebensende. Die Würde und die Autonomie des Patienten seien nicht nur medizinisch-ethische Themen, sondern auch für Rechtspolitiker von größter Bedeutung. In diesem Zusammenhang betonte Zypries den hohen Wert einer Patientenverfügung und stellte klar: "Wir brauche eine gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung, die sicher stellt, dass das Selbstbestim-mungsrecht der Patienten in allen Lebensphasen geachtet wird, und die allen Beteiligten mehr Rechtssicherheit gibt."

Prof. Jörg Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, legte Wert darauf, dass Ent-scheidungen an den Grenzen zwischen Leben und Tod vor allem in der Verantwortung des behandelnden Arztes zu liegen hätten: "Schriftlich niedergelegte Zeugnisse oder auch mündliche Äußerungen beziehen sich immer auf zukünftige Behandlungssituationen, die vom Patienten nicht bis in letzte Konsequenz überblickt werden können. Wir müssen uns also damit abfinden, dass es ab-schließende Sicherheiten - auch rechtliche - hier nicht geben kann", so der Ärztepräsident. Hoppe warnte in diesem Zusammenhang vor einer Überregulierung, betonte aber ausdrücklich die deutliche Stärkung, mit der Palliativmedizin inzwischen in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung berücksichtigt werde. Der Ärztepräsident verwies auf die Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung der Bundes-ärztekammer sowie die Empfehlungen der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer zum Umgang mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung in der ärztlichen Praxis, die eine gute Orientierung für ärztliches Handeln im Umfeld von Sterben und Tod gäben.

Prof. Lukas Radbruch vom Lehrstuhl für Palliativmedizin am Universitätsklinikum in Aachen wies in seinem Beitrag vor allem auf die vernetzte, interdisziplinäre Zusammenarbeit in palliativmedizinischen Versorgungskonzepten hin. Gerade beim Übergang von zunächst freiwilligen Initiativen in nun gesetzlich abgesicherte Konzepte sei es von entscheidender Bedeutung, das bereits Gewachsene
nicht zu zerschlagen. Bei der Überführung in rechtlich saubere und vor allem vertragsfähige Strukturen dürfen aber die Zusammenarbeit der Dienste und Berufsgruppen und die flexible Orien-tierung an den Bedürfnissen der Patienten nicht verloren gehen. "Wir müssen zusehen, dass die Palliativ- und Hospizdienste, die jetzt schon gut und engagiert arbeiten, in die Lage versetzt werden, zukünftig als Partner der Kostenträger weiterhin für die Betreuung schwerstkranker Patienten Verantwortung zu übernehmen." Von besonderer Bedeutung werde es dabei sein, so Radbruch, die qualitativen Standards, die sich bislang in der Palliativversorgung etabliert hätten, nicht durch Billigangebote zu verwässern. "Ich sehe große Chancen in der Gesetzgebung, ich sehe aber auch die große Gefahr, dass die bisherigen, gut funktionierenden Kooperations- und Betreuungsmodelle zerrieben werden, wenn sie von den Kassen eher in einen Kosten- als in einen Qualitätswettbewerb gedrängt werden," betonte der Palliativspezialist aus Aachen.

Prof. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS), stellte die neu erarbeitete Ethik-Charta der DGSS vor. Noch immer, so Zenz, sind viele ethische Fragen für Patienten und Ärzte offen. Wichtig sei es daher, ethische Kriterien zu Entscheidungs-findung in der Schmerztherapie zu erarbeiten. "Erst wenn wir ethische Aspekte in der Behandlung unserer Patienten berücksichtigen und benennen können und hier auf fundierter Grundlage entscheidungsfähig werden, sind wir als Schmerztherapeuten dialogfähig", so der DGSS-Präsident. Ausdrücklich wies Zenz in diesem Zusammenhang auf die zu den Hospizgesprächen fertig gestellte englische Übersetzung der Charta hin: "Schmerz und Palliativversorgung sind keine nationalen Probleme, sondern alle Industrienationen weltweit sind hier mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert. Wir wollen mit der englischen Ausgabe unserer Charta zu einem internationalen Dialog anregen und Modelle des gegenseitigen Lernens initiieren", so der Schmerzspezialist von der Ruhr-Universität Bochum.

Veronika Schönhofer-Nellessen, als Leiterin der Aachener Servicestelle Hospiz für Organisation und Durchführung der Aachener Hospizgespräche verantwortlich, verwies ausdrücklich auf die Notwendigkeit, alle Beteiligten - ob ambulante, stationäre, ehrenamtliche oder professionelle Institutionen und Dienste - an der Gestaltung der regionalen Netzwerke von Anfang an mit einzubeziehen. Auch der Beitrag der ehrenamtlichen Mitarbeiter sollte dort seinen Platz haben. "Wir müssen jetzt sehr darauf achten, diese Potenziale mitzunehmen, wenn wir zu gesetzlich unterfütterten und von Krankenkassen finanzierten Versorgungsstrukturen kommen wollen". Nicht zuletzt die kontinuierlichen Hospizgespräche dienten jedoch auch dazu, diesen Dialog der Beteiligten dauerhaft abzusichern. Die konstruktive institutionsübergreifende Kommunikation unter den beteiligten Professionen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Leiterin der Aachener Hospizstelle sieht sich vor diesem Hintergrund nicht nur für die Patienten und deren Versorgung verantwortlich, sondern betonte ausdrücklich auch die Aspekte der interdisziplinären Austauschs, der dauerhaft gewährleistet werden müsste: "Wir freuen uns, dass wir mit den Aachener Hospizgesprächen ein Forum etablieren konnten, das diesen Austausch kontinuierlich und auf hohem Niveau gewährleistet, und ich danke allen Beteiligten, die sich an diesem Austausch mit ihren Anregungen beteiligen," so Schönhofer-Nellessen abschließend.

Originaltext: Netzwerkstelle Hospiz für Stadt und Kreis Aachen


»Bewohner sehen Heime zu Unrecht im Zwielicht

Kreis Aachen. Der Trend ist nicht zu verleugnen - und eindeutig negativ: Altenheimen und anderen Institutionen der Senioren-Betreuung weht im öffentlichen Meinungsaustausch oft ein ausgeprägtes Misstrauen entgegen. Doch zumindest im Kreis Aachen ist das nicht gerechtfertigt.

Dieses Bild ergab das jüngste der jährlich stattfindenden Gespräche, die der Seniorenombudsmann des Kreises, Franz Breuer, mit Vertretern der Heimbeiräte führte. Während die zahlreichen Teilnehmer im Würselener Altenheim St. Antonius von Gastgeber Joachim Classen sowie seinen Mitarbeitern freundlich bewirtet wurde, setzte der Ombudsmann in einer kurzen Ansprache den Grundton. Breuer, der das Amt seit 2000 ausübt, charakterisierte die Debatte über Altenpflege und -heime als gefühlsmäßig belastet und die Wirklichkeit verzerrend. Angesichts dessen rief er die Männer und Frauen im Saal auf: «Es liegt jetzt an Ihnen, die Situation in Ihrer jeweiligen Einrichtung objektiv zu schildern.»

Mit ihrer Meinung hielten die Damen und Herren Heimberäte dann auch nicht lange hinterm Berg. So richtete Heinz Maassen, Mitglied des Würselener Seniorenbeirates, eine Dankesadresse an Joachim Classen und das Personal von St. Antonius: «Dieses Haus ist wirklich in Ordnung!» Peter Abrahams aus dem Beirat des Hoengener St.-Anna-Seniorenzentrums ist ebenfalls von «seinem» Heim begeistert: «Das ist ein sehr gutes Haus», lobt der Niederländer und freut sich über die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunalpolitikern. Auch Trude Rosenkrantz (Senioren- und Betreuungszentrum Eschweiler) ist das schlechte Licht, in das sich viele Heime getaucht sehen, unbegreiflich: «Ich kenne nur zufriedene Bewohner», sagt die Heimbeirätin.

So wurde denn das Gesprächsklima bei der Zusammenkunft in Würselen wesentlich vom Willen bestimmt, das negative Bild von Altenheimen in der Öffentlichkeit zu korrigieren - eine Entschlossenheit, die Gastgeber Joachim Classen deutlich artikulierte: «Es gibt schwarze Schafe in allen Bereichen, aber müssen wir uns daran messen lassen?» Ein Kollege wurde noch deutlicher, formulierte drastisch, wie sehr er sich und andere Fachkräfte ins Unrecht gesetzt fühlt, sprach gar von «Wut im Bauch». Ombudsmann Breuer sieht indes seine Arbeit zum Wohle alter Menschen nicht gefährdet: «Ich kann ja jederzeit unangemeldet in eines der Häuser kommen.


»Sitzung der Kreispflegekonferenz am 20. November 2007 im Aachener Kreishaus

Die nächste öffentliche Sitzung der Kreispflegekonferenz findet am 20. November 2007 um 14:00 Uhr im Mediensaal Raum E 72 der Kreisverwaltung in der Zollernstr. in Aachen statt.

Folgende Tagesordnung ist u.a. vorgesehen:

  1. Aufbau einer individuellen Hilfeplanung und pflegefachlichen Bedarfsprüfung von Leistungen der Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII
  2. Abschluss der Projekte "Regionales Netzwerk Pflege" und "INTEGRA"
  3. Handlungsfelder der Kommunalen Pflegeplanung
  4. Fortschreibung der Kommunalen Pflegeplanung für den Kreis Aachen
  5. Durchführung eines Projektes zur Reduktion körpernaher Fixierung bei demenziell erkrankten Menschen in stationären Einrichtungen
  6. Start einer Altenpflegerhelferausbildung
  7. Ombudsmann, Erlass von Richtlinien zur Verleihung des Gütesiegels Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen (solitär)
  8. Häusliche Versorgung von Schwerstkranken im Kreis Aachen
  9. öffentlichskeitsarbeit der Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW
  10. Terminplanung 2008
  11. Anfragen und Mitteilungen

»Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt nach amerikanisch-deutschem Pflege-Kongress

Voneinander lernen – bessere Qualität – mehr Transparenz – gestärktes Ehrenamt Vergleich der Gesundheitssysteme: kurze Wartezeite – gute Qualität – gute Chronikerversorgung

Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen und ein internationaler Vergleich der Gesundheitssysteme standen im Zentrum der Gespräche von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und der deutschen Delegation in Washington.

Die Ministerin nahm an der ersten amerikanisch-deutschen Konferenz „The US/Germany Dialogue on Long-Term Care“ teil. Ulla Schmidt: „Eine Gesellschaft des längeren Lebens beschäftigt alle Industrienationen und stellt sie vor große Herausforderungen. Beide Seiten können voneinander lernen. Für uns besonders interessant ist die größere Transparenz bei der Qualität der Heime und der viel größere Einsatz ehrenamtlicher Helfer in den USA. Die Pflegereform in Deutschland setzt hier an: Gestärkt werden die Pflege zu Hause, die Beratung der Betroffenen und ihrer Familien im Wohnquartier mit mehr Hilfen im Alltag.“

Vorbildlich sei in den USA, dass man sich im Internet die Ergebnisqualität einzelner Pflegeheime, die Medicare angeschlossen sind, anschauen kann. Schmidt: „Diesen Weg werden wir in Deutschland auch einschlagen. Der Verbraucher bekommt mehr Informationen über die Qualität von Einrichtungen in verständlicher Sprache.“

Ministerin Schmidt sieht teilweise ähnliche Lösungsansätze. In den USA gibt es schon heute eine bundesgesetzliche Regelung, nach der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen das Recht haben, bis zu 12 Wochen für die Pflege eines Angehörigen unbezahlt von der Arbeit fernzubleiben.

Da es in den USA anders als in Deutschland keine gesetzliche Absicherung des Pflegerisikos gibt, können viele Menschen die vergleichsweise teuren stationären Pflegeeinrichtungen nicht aus eigenen Mitteln bezahlen, und sind dann auf Sozialhilfesysteme angewiesen.

Eine Vertreterin des amerikanischen Gesundheitsministeriums wies auf zwei Programme hin, die kommunale Beratungs- und Unterstützungsstellen sowie ein Fallmanagement für pflegebedürftige Menschen vorsehen. Trotz aller Unterschiede im politischen Ansatz ähneln diese Bestrebungen den in der Pflegereform vorgesehenen Pflegestützpunkten und Pflegeberatern.

Bundesgesundheitsministerin Schmidt: „Die Wünsche der Menschen nach einer humanen Pflege und einer guten Qualität der Pflege sind in Deutschland und in den USA gleich. Pflegebedürftige Menschen müssen ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.“

Als Vertreterin eines Bundeslandes nahm an der Konferenz die rheinland-pfälzische Sozial- und Gesundheitsministerin Malu Dreyer teil. Ministerin Dreyer: „Pflege vor Ort, vor allem im häuslichen Bereich, funktioniert nur, wenn es gelingt, ein Netz zwischen Angehörigen, sozialem Umfeld und den professionellen Pflegekräften zu knüpfen.

Beeindruckt hat besonders das breitere Spektrum von Ehrenamtlern, Assistenzen, Fachkräften ganz unterschiedlicher Qualifikation. Diese stärkere Differenzierung sollten wir auch in Deutschland fördern.“

Die Konferenz wurde von der American Association of Retired Persons (AARP) und dem Bundesministerium für Gesundheit veranstaltet. AARP ist eine überparteiliche Organisation für Menschen ab 50 Jahren. AARP hat ca. 38 Millionen Mitglieder und hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität für die US-Bürger während des Älterwerdens und im Alter zu verbessern.

Ländervergleich des Commonwealth Fund

Die zweite wichtige Konferenz, an der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit Gesundheitsministern und Vertretern aus USA, Großbritannien, Niederlande, Kanada, Australien und Neuseeland teilnahm, war das 10. Internationale Symposium des Commonwealth Fund. Zum diesjährigen Ländervergleich des Commonwealth Fund erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Die Ergebnisse für Deutschland können sich sehen lassen. Wir haben im Vergleich zu anderen Staaten keine Probleme mit der Notfallversorung, keine Wartelisten und nur wenig Behandlungsfehler. Ein Großteil der Befragten in Deutschland will zwar ganz allgemein Veränderungen des Gesundheitssystems, was vor dem Hintergrund der heftigen kontroversen Debatten über die Gesundheitsreform in Deutschland nicht verwunderlich ist. Das entscheidende für mich ist jedoch die Frage, in welche Richtung das Gesundheitssystem verändert werden soll. Wir wissen aus vielen Erhebungen: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland will z. B., dass die Trennung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung aufgehoben wird.“

Ulla Schmidt nannte auf dem Symposium mehrere Punkte, von denen Deutschland gelernt hat bzw. noch lernen kann. „Mir liegt besonders am Herzen, die Versorgung chronisch Kranker – wie in den letzten Jahren begonnen – weiter zu verbessern. Wir müssen die Behandlung besser koordinieren und aufeinander abstimmen. In den USA werden Innovationen durch die Forschung schneller als in Deutschland anwendungsreif gemacht, jedoch ist in Deutschland der Zugang von Patienten zu Innovationen viel breiter. Alle müssen sich anstrengen, den Patienten Zugang zu mehr und besseren Informationen zu verschaffen. Das stärkt Patientensicherheit und -souveränität.“

Viele Experten führen die hohen Kostensteigerungen im US-Gesundheitssystem auf die hohe Zahl der Unversicherten zurück. Mindestens 47 Mio. Menschen haben in den USA keine Krankenversicherung. Die hohe Zahl der Menschen ohne Krankenversicherungsschutz macht das System teuer. Für viele bleibt nur noch der Weg in die Notfallaufnahme, der emergency room ersetzt faktisch den Hausarzt. Da die Kliniken von den Unversicherten dafür in der Regel kein Geld erhalten, werden die hohen Kosten auf alle anderen umgelegt. Das trägt zu den extrem hohen Preisen in der amerikanischen Krankenhausversorgung bei.

Ulla Schmidt: „Daher ist ein universeller Krankenversicherungsschutz, das Recht auf Krankenversichung nicht nur eine gute Basis für eine gute medizinische Versorgung für alle, sondern gleichzeitig auch der beste Weg, die Kosten zu kontrollieren.“

Die internationale gesundheitspolitische Befragung 2007 trägt den Titel: „Der Weg zu leistungsfähigeren Gesundheitssystemen: Die Erfahrungen Erwachsener mit der Gesundheitsversorgung in sieben Ländern“ (USA, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Kanada, Australien, Neuseeland). Deutschland beteiligt sich zum dritten Mal an dem Survey. Die jüngste internationale gesundheitspolitische Befragung des Commonwealth Fund wurde in Deutschland vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen durchgeführt. Der Survey fragt nach persönlichen Erfahrungen mit Zugang zu Gesundheitsleistungen, nach finanziellen Belastungen durch Gesundheitsausgaben, Koordinierung der Versorgung, Patientenorientierung, Versorgung chronisch Kranker und Patientensicherheit.

Zu den Einzelergebnissen:

Die Deutschen (befragt wurden 1.407 Personen im März/April 2007) zeigen sich reformbereit. Über die Hälfte der Befragten (51 %) befürworten sehr weitreichende bzw. grundlegende Änderungen im deutschen Gesundheitswesen. 27 % der Befragten plädieren gar für einen kompletten Umbau des deutschen Gesundheitswesens. Jeder fünfte Befragte ist der Meinung, nur wenige Änderungen seien erforderlich.

  • Erreichbarkeit am gleichen Tag: hier gaben 55 % der Befragten an, im akuten Krankheitsfall sofort einen Termin erhalten zu haben – das ist Platz 1 im Vergleich. Ähnlich gut sieht es mit der Erreichbarkeit außerhalb der Sprechzeiten aus.
  • Dem entspricht, dass die Notaufnahmen im Krankenhaus nur von 5 % der Befragten aufgesucht wurden, weil kein anderer Arzt erreichbar gewesen war. Wartezeiten in der Notaufnahme waren nur in 11 % (NL: 9 %) der Fälle länger als zwei Stunden.
  • Wartezeiten für planbare Eingriffe betrugen in 72 % der Fälle mehr als einen Monat, aber nur in 3 % der Fälle mehr als 6 Monate. Nur die Holländer werden noch schneller behandelt.
  • Zugang zu medizinischen Leistungen: Hier nimmt Deutschland einen hinteren Mittelplatz ein. Jeder fünfte Befragte gab an, aus einem von drei Kostengründen einen Arztbesuch vermieden zu haben, einen Test nicht in Anspruch genommen oder ein Rezept nicht abgeholt zu haben (NL 5 %, USA 37 % der Befragten).
  • Dennoch ist Deutschland weiterhin Spitzenreiter bei der jährlichen Zahl der Arztbesuche: 7 pro Kopf. Neuseeland und USA liegen bei 3,2 bzw. 3,8. Ähnlich sieht es aus für die Arztdichte je 1000 Einwohner, die nur in den Niederlanden noch höher ist als bei uns – 3,7 / 1000, bei uns 3,4 / 1000.
  • Die Deutschen gehen häufig zum Spezialisten: 44 % der Befragten gaben an, zwei oder mehr Fachärzte im vergangenen Jahr besucht zu haben (Folie 26). Das ist einsame Spitze, abgeschlagen folgen Australien (29 %) und USA (27 %).
  • Patientenorientierung/Arzt-Patienten-Kontakt: Deutsche Hausärzte scheinen ihre Patienten mitsamt ihrer Krankengeschichte besser zu kennen (78 % – höchster Wert, 62 % – niedrigster Wert in den USA) als die Kollegen woanders.
  • Qualität: Die Qualität der erhaltenen Versorgung bewerten 52 % mit sehr gut oder hervorragend. Am zufriedensten sind die Niederländer (72 %).
  • Chronikerversorgung: Nur einer von fünf chronisch Kranken erhält bisher in Deutschland von seinem Arzt einen Therapieplan für zu Hause. Hier sind die USA mit 52% Spitze.
  • Medizinische Fehler: Nur sehr wenige der Befragten berichteten von Behandlungsfehlern.

In diesem Zusammenhang wurden auf der Konferenz auch jüngste Daten der OECD für Deutschland diskutiert: Zwar gibt Deutschland im Vergleich einen hohen Anteil des BIP für eine umfassende medizinische und zahnmedizinische Versorgung aus, jedoch liegt D bei den Krankenhausausgaben pro Tag, bei den Pro-Kopf-Ausgaben für (ambulante) ärztliche Leistungen, sowie bei der Wachstumsrate der Arzneimittelausgaben pro Kopf an vorletzter Stelle.

Weitere Informationen finden Sie unter Commonwealthfund.org bzw. hier finden Sie direkt zum Survey:
» Survey


»Mit moderner Informationstechnik die Pflegequalität verbessern

Kuratorium Deutsche Altershilfe startet mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums ein elektronisches Fehlerberichts- und Lernsystem für die Altenpflege

Alle Pflegekräfte haben ab dem kommenden Montag die Möglichkeit, Berichte über kritische Vorkommnisse in der Altenpflege in ein System auf einer Internetseite des Kuratoriums Deutsche Altershilfe anonym einzugeben. Diese Möglichkeit ist im Rahmen eines Modellprojekts geschaffen worden, das vom Bundesgesundheitsministerium mit Mitteln des Modellprogramms zur Verbesserung der Versorgung Pflegebedürftiger unterstützt wird.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sagte zur anstehenden Inbetriebnahme dieses Informations- und Lernsystems, dass damit "die Rahmenbedingungen für mehr Qualität in der Pflege weiter verbessert werden. Personen, die bei ihrer täglichen Arbeit in der Altenpflege kritische Ereignisse erleben und verarbeiten müssen, wird ein Medium zur Verfügung gestellt, über das sie ihre Situation freiwillig darstellen und von nicht Betroffenen diskutieren lassen können. Alle Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten können so voneinander lernen und eigene Fehler vermeiden. Auch interessierte Bürgerinnen und Bürger können ihre Erfahrungen zum Thema Pflege einbringen."

Dieses am 1. Oktober startende Fehlerberichts- und Lernsystem ist ein erheblicher Fortschritt, da es trotz bestehender Qualitätssicherungssysteme in der ambulanten und stationären Pflege immer wieder zu kritischen Ereignissen mit teilweise gravierenden negativen Folgen für die pflegebedürftigen Personen kommt. Ziel des neuen Systems ist es, das Qualitätspotenzial, das in den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Altenpflege steckt, zu aktivieren und zu fördern. Daher wird eine anonyme, leicht zugängliche und fachlich versierte Hilfe bei kritischen Ereignissen in der Pflege angeboten.

Dieses System hat den Vorteil, dass die Betroffenen selber entscheiden können, ob sie das kritische Ereignis in anonymisierter Form öffentlich machen. Betroffene können sich mit der Veröffentlichung emotional Entlastung verschaffen und sich offen über das kritische Ereignis äußern. Im Rahmen der Analyse der berichteten Ereignisse können Hinweise auf verursachende Faktoren gegeben sowie Lösungsmöglichkeiten unterbreitet und Gute-Praxis-Beispiele dargestellt werden. Gelernt werden kann auch an dokumentierten Ereignissen anderer Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen, wenn sie sachgerecht präsentiert werden.

Hierbei stützt sich dieses Projekt auch auf die Erfahrungen des Frankfurter Fehlerberichts- und Lernsystems, das ebenfalls vom BMG für den ärztlichen Bereich gefördert wird und das sich an Hausarztpraxen richtet und in hervorragender Weise bewährt hat. Hier können Ärzte, Arzthelfer und andere Mitarbeiter freiwillig in einem offenen System von kritischen Situationen berichten und es können von anderen Personen Kommentare zum Bericht abgegeben werden. Vorläufer solcher Fehlerberichts- und Lernsysteme ist ein vor mehr als 30 Jahren eingeführtes System bei der Lufthansa, in das Piloten, Luft- und Bodenpersonal täglich kritische Ereignisse und potenzielle Fehlerquellen eingeben und damit sich und anderen Mitarbeitern der Lufthansa vor möglichen Fehlern bewahren und somit die tägliche Arbeit oftmals wesentlich erleichtern.

Für die pflegebedürftigen Menschen und damit auch für die Akzeptanz der Pflegeversicherung stellt die Qualität der pflegerischen Versorgung einen wesentlichen Faktor dar. Das am Montag kommender Woche Online gehende Fehlerberichts- und Lernsystem für die Altenpflege verstärkt den Prozess der stetigen Qualitätsverbesserung und ist ein weiterer Faktor für eine größere Nachhaltigkeit in der Qualitätsentwicklung.

Weitere Informationen zum KDA-Fehlerberichts- und Lernsystem für die Altenpflege erhalten sie unter Kritische-ereignisse.de.